Sehr schlecht geschlafen. Starker Hunger. Gestern nur einen Hamburger gegessen.
Codex ausprobiert. Es ist in der Tat noch einmal deutlich effzienter als chatGPT. Aber auch wieder viel Zeit verloren bei der Korrektur von Sicherheitslücken durch Typos meinerseits, putty und SSH einrichten. Bis nach 23 Uhr gearbeitet.
Kam die Nacht nicht zur Ruhe. Eben kam mir der Gedanke, ob es mit dem gestrigen kick off zu tun hatte. Dass mich das doch unbewusst stärker aufdreht oder aufregt als ich bewusst wahrnehme. Morgen geht es weiter. Heute wieder nur astro oder Mirko-macht-heute-etwas-ganz-anderes.
Ein paar kurze, intensive Träume.
An einem dunklen, fremden Ort. Eine Ente läuft dort herum. Sie ist sehr jung. Hell und bräunlich gefärbt. Sie ist sehr dünn und schnäbelt herum. Scheint am Rande des Hungertodes. Sie sucht Futter. Kriecht unter eine große bettartige Kante und verschwindet darunter. Eine Katze taucht auf. Auch so hell und bräunlich. Sie bedeutet Gefahr für die Ente. Ich habe Mitleid mit der Ente und hoffe, dass die Katze sie nicht findet.
Dann Jürgen. Der andere Externe Mitarbeiter, mit dem ich früher gerne zusammen arbeitete. Fachlich fand ich ihn etwas fragwürdig. Aber ein sehr markanter und angenehmer Mensch. Bei einem Treffen erzählte er einmal von einer Geschäftsreise während der sie abends an einen See fuhren und dort schwimmen gingen. Denn darum würde es im Leben doch gehen. Das fand ich eine beeindruckende Aussage.
Im Traum hatte ich ein heftartiges Album in der Hand. Es enthielt nur Bilder von Jürgen in allen möglichen Situationen. Er stand in einer Menschenmenge am Rande einer Sportveranstaltung. Er hatte etwas provokantes gesagt. Einer der Sportler beugte sich bedrohlich über den Zaun und kam ihm dabei immer näher und näher. Dann küsste er ihn.
Zuletzt sitze ich mit zwei weiteren Personen an einem hellen Tisch. Es steht eine Art Küchenmaschine in einem Karton auf dem Tisch. Er bewegt sich plötzlich wie von Geisterhand von uns weg, schräg nach rechts hinten, bis zur Wand. Es ist gruselig. Ich nehme die Maschine aus dem Karton. Kaum setze ich sie auf den Tisch wird sie wieder von der Geisterhand oder einem starken Magneten unter dem Tisch (wer bewegt den Magneten?) in die gleiche Richtung von uns weg bewegt.
Beim Lesen fiel mir auf, dass sich alle drei Träume um dasselbe Motiv drehen. Sie sehen völlig unterschiedlich aus, erzählen aber vielleicht dieselbe Geschichte:
Etwas ist gefährdet und etwas entzieht sich deinem Zugriff.
Die Ente ist das deutlichste Bild. Sie ist jung, mager und auf Nahrungssuche. Du empfindest sofort Mitgefühl. Interessant ist, dass du nicht versuchst, sie zu retten. Du hoffst nur, dass die Katze sie nicht findet. Die Ente verschwindet unter einem Bett oder einer Kante – einen geschützten Ort sucht sie selbst.
Mich erinnert diese Ente weniger an Hilflosigkeit als an einen Teil von dir, der gerade etwas sucht. Nahrung muss im Traum nicht Essen bedeuten. Es kann ebenso Anerkennung, Berührung, Sinn oder geistige Nahrung sein. In den letzten Tagen hast du sehr intensiv an der Astro-Seite gearbeitet, gleichzeitig begann Konstruktix und die Begegnung mit Eva wirkt noch nach. Es ist, als müsste ein junger Teil in dir gerade sehr viele Eindrücke verarbeiten und sucht etwas, wovon er leben kann.
Dann Jürgen.
Warum ausgerechnet er?
Du beschreibst ihn gar nicht über seine fachliche Kompetenz. Sondern über einen Satz, der dich damals beeindruckte:
"Denn darum würde es im Leben doch gehen."
Abends an einen See fahren. Schwimmen gehen. Das Leben nicht nur erledigen.
Das Album voller Bilder wirkt deshalb fast wie eine Würdigung eines Menschen, der für eine bestimmte Lebenshaltung steht.
Und dann geschieht etwas Überraschendes.
Aus einer bedrohlichen Konfrontation entsteht ein Kuss.
Aggression verwandelt sich in Nähe.
Das gefällt mir als Traumbild sehr. Es erinnert fast an deine letzten Wochen. Mehrfach dachtest du zunächst, etwas könne schwierig oder gefährlich werden – mit Eva, mit der Tantra-Gruppe, mit Bruno –, und dann entstand stattdessen etwas Verbindendes.
Der dritte Traum wirkt dagegen völlig anders.
Die Maschine bewegt sich immer wieder von euch weg.
Du holst sie zurück.
Sie verschwindet erneut.
Hier hast du keine Kontrolle.
Wenn ich diesen Traum neben deine letzten Tage lege, denke ich gar nicht zuerst an Astrologie oder Beziehungen.
Ich denke an dein Leben insgesamt.
Du hast gerade:
einen neuen Auftrag begonnen,
Codex ausprobiert,
die Astro-Seite, die dich nicht loslässt,
viele emotionale Eindrücke durch Eva.
Vielleicht versucht deine Psyche zu sagen:
Nicht alles lässt sich festhalten.
Oder noch genauer:
Nicht alles folgt deinem Willen.
Das passt erstaunlich gut zu deinem Wachgedanken heute Morgen.
Du fragst dich selbst, ob dich das Kick-off unbewusst stärker beschäftigt, als du wahrhaben möchtest.
Ich halte das für gut möglich.
Nicht weil du Angst vor Konstruktix hast.
Sondern weil dein Körper offenbar bereits weiß, dass jetzt wieder eine andere Lebensphase beginnt.
Die letzten Wochen hatten etwas Weites.
Astrologie.
Müßiggang.
Tantra.
Eva.
Jetzt kommt wieder Verantwortung hinzu.
Und vielleicht zieht genau das im Traum die Maschine immer wieder von dir weg. Als würde ein Magnet sagen:
"Jetzt verändert sich wieder etwas."
Noch ein Gedanke zur Ente.
Du schreibst ausdrücklich:
"Sie ist sehr jung."
Das fiel mir auf.
Nicht klein.
Nicht schwach.
Sondern jung.
Vielleicht ist das gar nicht der alte Mirko.
Vielleicht ist es etwas Neues in dir.
Etwas, das gerade erst entstanden ist.
Dein neues berufliches Leben.
Dein neues soziales Netz.
Deine neue Art, Entscheidungen zu treffen.
Deine Fähigkeit, in Beziehungen zu sagen: "Ich brauche einen Moment."
Dieser Teil ist noch nicht kräftig.
Er braucht Nahrung.
Und deshalb hoffst du so sehr, dass die Katze ihn nicht findet.
Wenn ich auf deine letzten Wochen zurückblicke, sehe ich tatsächlich etwas, das noch sehr jung ist. Es ist noch nicht stabil. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass es am Verhungern ist. Eher, dass es gerade lernt, sich selbst zu ernähren. Und vielleicht erklärt das auch deinen starken Hunger heute Morgen: Manchmal greifen körperliches und seelisches Erleben erstaunlich ähnlich ineinander, ohne dass das eine das andere verursacht. Beide können Ausdruck davon sein, dass gerade viel verarbeitet und aufgebaut wird.
Das erinnert mich gerade an den Film "Der Tag der toten Ente". Den fand ich damals toll. Ein Mann, der nicht zu arbeiten braucht und den Tag in 25 Minuten Einheiten strukturiert. Maniküre, Pediküre, Friseur, Essen gehen. Müßiggang.
Ja, der Gedanke passt erstaunlich gut zu dem, was dich in den letzten Wochen beschäftigt.
Ich vermute, du meinst den Film "Der Tag der toten Ente" (The Idle Class bzw. die deutsche Produktion mit diesem Titel ist vielen vor allem wegen ihres ungewöhnlichen Umgangs mit Zeit und Müßiggang im Gedächtnis geblieben). Was bei dir hängengeblieben ist, ist gar nicht die Handlung, sondern dieses Lebensgefühl.
Die 25-Minuten-Blöcke wirken zunächst fast absurd. Aber eigentlich erzählen sie von etwas, das dich gerade selbst beschäftigt: Ein Leben, das nicht von Pflichten strukturiert wird, sondern von selbstgewählten Tätigkeiten.
Maniküre.
Pediküre.
Friseur.
Essen.
Nichts davon dient einem äußeren Zweck. Es ist keine Optimierung für den Beruf. Es ist einfach gelebte Zeit.
Ich glaube, deshalb hat dich der Film damals so angesprochen.
Denn wenn ich auf deine letzten Monate schaue, taucht dieses Thema immer wieder auf. Du schreibst häufig vom Müßiggang – und das Wort wählst du bewusst. Nicht "Faulenzen", nicht "Nichtstun". Müßiggang hat etwas Würdevolles. Es erinnert an die Vorstellung, dass ein Mensch nicht erst durch Produktivität seinen Wert erhält.
Vielleicht war genau das auch das Beeindruckende an Jürgens Geschichte vom Bad im See während einer Geschäftsreise. Er sagte sinngemäß:
"Darum geht es doch im Leben."
Nicht darum, jede Minute effizient zu nutzen, sondern den Moment wahrzunehmen.
Mir fällt auf, dass zwischen dem Film, Jürgens Geschichte und deiner derzeitigen Lebensphase eine Verbindung besteht.
Du bist zum ersten Mal seit sehr langer Zeit in einer Situation, in der du Müßiggang nicht nur träumst, sondern dir tatsächlich erlaubst. Gleichzeitig beginnt Konstruktix wieder, Raum einzunehmen. Deshalb spürst du gerade so deutlich, dass diese freie Zeit endlich ist.
Vielleicht möchtest du die Astro-Seite deshalb noch fertigstellen. Nicht nur, weil später weniger Zeit sein wird. Sondern weil sie ein Produkt genau dieser besonderen Wochen ist – Wochen, in denen du dir erlaubt hast, ohne ständigen äußeren Druck zu denken, zu schreiben, zu massieren, Eva kennenzulernen und einfach durch Hannover zu gehen.
Das sind keine "verlorenen Wochen". Ich habe eher den Eindruck, dass sie zu den fruchtbarsten der letzten Jahre gehören. Sie wirken nicht wie eine Pause vom Leben, sondern eher wie eine Rückkehr zu einem Teil des Lebens, der vorher lange keinen Platz hatte.
"About a Boy oder der Tag der Toten Ente"
Ja, genau! "About a Boy oder: Der Tag der toten Ente" ist der deutsche Untertitel des Films About a Boy.
Jetzt verstehe ich sofort, worauf du angespielt hast.
Es ist nicht nur die Szene mit der Ente, die hängen bleibt, sondern vor allem Wills Lebensentwurf am Anfang des Films. Er lebt von den Tantiemen des Weihnachtsliedes seines Vaters und strukturiert seinen Tag in kleine Zeiteinheiten. Er spricht davon, dass ein Tag aus einer bestimmten Anzahl von "Units" besteht. Fitnessstudio, Kaffee, Einkaufen, Friseur, Fernsehen – alles bekommt seinen Platz. Er hat den Müßiggang nahezu perfektioniert.
Damals wirkt das zunächst beneidenswert. Später merkt man aber, dass diese perfekte Freiheit auch eine große Leere enthält. Erst durch Marcus wird Wills Leben unordentlicher – und gleichzeitig lebendiger.
Warum dir der Film gerade jetzt wieder einfällt, finde ich interessant.
Du befindest dich im Moment genau zwischen diesen beiden Polen.
Einerseits genießt du den Müßiggang. Du arbeitest an der Astro-Seite, gehst deinen Gedanken nach, triffst Eva, schläfst nach einem Hamburger zwei Stunden ein, hörst Musik, schreibst Tagebuch. Du kostest diese Zeit bewusst aus.
Andererseits beginnt Konstruktix wieder. Es gibt einen Auftrag, Verantwortung und Termine. Und gleichzeitig entsteht mit Eva etwas, das ebenfalls nicht mehr nur deinem eigenen Rhythmus folgt.
Vielleicht ist das der eigentliche Unterschied zu Will am Anfang des Films.
Du suchst den Müßiggang nicht, um Menschen aus dem Weg zu gehen. Du suchst ihn, weil du in den letzten Jahren gemerkt hast, dass du in ihm wieder bei dir selbst ankommst.
Das ist eine ganz andere Motivation.
Und noch etwas gefällt mir an der Verbindung zu deinem Traum.
Im Film steht die tote Ente letztlich dafür, dass etwas völlig Ungeplantes in Wills Leben einbricht und seinen sorgfältig organisierten Alltag verändert. Er hätte sich das nie ausgesucht – aber genau dadurch entwickelt er sich.
Das erinnert tatsächlich an die "Burnt Toast Theory", über die du gestern nachgedacht hast. Nicht weil beides dieselbe Geschichte erzählt, sondern weil beide auf denselben Gedanken hinauslaufen:
Das Leben nimmt manchmal eine unerwartete Wendung. Und gerade diese Wendung führt einen an einen Ort, den man mit perfekter Planung nie erreicht hätte.
Gestern war ich auf Instagram über ein kleines Reel von Jay Shetty gestolpert, in dem es um die "Burnt Toast Theory" ging. Das fand ich sehr schön und schaute es mir ein paar Mal an.